Pressespiegel

Berliner Morgenpost
Bis das Glück euch versöhnt
Freitag, 30. Mai 2008 18:25  – Von Tanja Fiedler

Ausgerechnet im verflixten siebten Jahr nahm sich die Liebe von Sabine Bauer und ihrem Mann Michael eine Auszeit. Sie machte als Geschäftsführerin einer Reiseagentur Karriere. Er, der Assistenzarzt, verlor seinen Job in einer Klinik. Sie fühlte sich für sein Glück verantwortlich. Er konterte ihre Überdosis Fürsorge mit Schweigen. Zwei Mitdreißiger im unguten Rausch der Gefühle.

Unterm Strich standen bei so viel Dissonanz hässliche Szenen einer Ehe. „Am Ende“, erinnert sich Sabine, „haben wir über alles gestritten.“ Darüber, wer den Müll herunter und den Wein heraufbrachte ebenso, wie über sein altes Lieblings-Shirt und ihre Art zu lachen. Mit jedem Satz verstärkten sich Missverständnisse und Schuldzuweisungen. Das gegenseitige Vertrauen ging verloren, dafür sammelte das Berliner Duo verletzte Gefühle auf seinem Haben-Konto. Ein Teufelskreis, bis dass die Scheidung euch spaltet. „Ich wusste aber“, sagt Sabine, „dass wir eigentlich ein gutes Team sind und unter all dem Frust und Zoff uns lieben. Wir hatten uns nur verrannt. Allein kommt man da nicht mehr raus. Wir brauchten professionelle Hilfe.“

Auf eine Paartherapie wollten sie sich nicht einlassen. Die Zukunft schien wichtiger als das Aufarbeiten der Vergangenheit. Als sie jedoch von einem Paarcoach hörten, der Paare in Krisensituationen berät und Paargespräche moderiert, vereinbarte Sabine noch am gleichen Tag einen Termin. „Die Idee hat mir gefallen.“ Ein Trainer für die Beziehung, das klang anpackend, realistisch, positiv. Michael willigte ein.

Betreut wurden er und Sabine von der Mediatorin und Psychologin Jutta Lack-Strecker. In ihrer Charlottenburger Praxis arbeitet die 64-Jährige mit Paaren aller Altersgruppen gezielt an ihren Reibungspunkten – egal ob es um Kommunikation oder Finanzen, Kinder oder Sex geht. Zwischen fünf und zehn Sitzungen à 100 Minuten braucht sie, um die Frauen und Männer wieder fit zu machen für das Leben zu zweit. Oberster Grundsatz dabei: „Die Paare sind die Experten ihrer eigenen Situation. Sie brauchen oft nur Impulse und einen vertauensvollen Rahmen, um sich wieder einander anzunähern. Man kann meine Arbeit Coaching nennen, ich nenne es Mediation oder Paargespräche.“

Vor allem Fragen regen an: Was verbindet euch noch? Wie kann euer Leben lebenswerter werden? Habt ihr gemeinsame Freunde? Könnt ihr auf Rituale zurückgreifen, und sei es nur der morgendliche Kuss im Bett. Dialoge des Paares finden jedoch nicht nur in den Sitzungen statt, sondern müssen auch zu Hause fortgesetzt werden. „Hausaufgaben“, nennt Jutta Lack-Strecker diese Gespräche daheim, zu denen sich Mann und Frau mindestens einmal in der Woche an einem verabredeten Termin treffen, um 50 Minuten Tacheles zu reden.

Einmal lädt sie ihn ein und gibt das Thema vor, einmal bittet er sie zum Zwiegespräch. „Ohne Wein, ohne Tee, volle Konzentration, nix Gemütlichkeit“, so Jutta Lack-Strecker. Sind die Paare zu diesen Gesprächen nicht bereit, finden sie keine Zeit, bricht die Psychologin das Coaching ab. „Ich erwarte Engagement, sonst bin ich nur Voyeurin des Unglücks“. Disziplinierte und respektvolle Dialoge sorgen für Kontinuität und dadurch für Sicherheit, so Jutta Lack-Strecker.

Wie man miteinander spricht ohne sich zu verletzen, wie man sich zuhört, das vermitteln die Sitzungen. „Plötzlich“, erinnert sich Sabine, „konnte ich Worte und Emotionen voneinander trennen. Ich habe gehört, was Michael sagt und nicht nur interpretiert, was er damit wohl meint“.

Grundlage dafür sind klare Vereinbarungen, die das Paar mit Hilfe des Trainers neu definiert. Viele Paare, so Jutta Lack-Strecker, legen am Anfang ihrer Liebe fest, wie sie miteinander leben wollen, wo sie ihre gemeinsamen und persönlichen Ziele setzen. Dann kommen Kinder, Krankheiten, berufliche Einbrüche, finanzielle Schwierigkeiten, individuelle Veränderungen und die Regeln von einst treten außer Kraft, ohne, dass neue dazukommen. Eine Quelle für Aggressionen und Frust. Also muss neu verhandelt werden.

„Meine Position ist dabei immer die der balancierten Werschätzung. Ich ergreife keine Partei“, so Jutta Lack-Strecker. Sie lässt die Paare Rollen tauschen, bringt sie auf räumliche Distanz, lässt sie Grenzen austesten, häuft aus Kissen „Problemberge“ an, die dann gemeinsam abgetragen oder umgeschichtet werden. Gerade dieses gemeinsame Tun erleichterte es Michael zu reden: „Sabine und ich haben in den Sitzungen richtig geackert und miteinander gelacht. Die besten Gespräche fanden danach im Biergarten statt.“ Die wichtigste Erfahrung, die er und Sabine gemacht haben? „Dass wir alte, kaputte Muster durchbrechen konnten und uns neuen Raum lassen. Dass wir anders miteinander diskutieren, dem anderen Zeit lassen, ihn nicht überfallen.“

Mehr als genug findet das Jutta Lack-Strecker. Eigentlich geht es doch nur um das eine, sagt sie: „Zu lernen, die Liebe zu mehren, auch in mageren Zeiten.“

Paare, die einen Mediator oder Coach in ihrer Nähe suchen, können sich an die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation wenden und bekommen dort Adressen. BAFM, Olivaer Platz 15, 10707 Berlin, Tel.: 23 62 82 66 (www.bafm-mediation.de) oder per E-Mail: bafm-mediation@t-online.de

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Sabine Zurmühl (2007). Bundesverdienstkreuz für Jutta Lack-Strecker. ZKJ Heft 11/2007
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